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"FORUM Emil-Possehl-Schule"

Vortrags- und Diskussionsveranstaltung zur Thematik "Wertewandel in unserer Gesellschaft?" am 01.07. 2010


Michael Sommer, Präsident des internationalen Gewerkschaftsbundes


Michael Sommer, unser Gast am 1.7. 2010, ist kein geringerer als der frisch gewählte Präsident des internationalen Gewerkschaftsbundes, somit der höchste Vertreter der arbeitenden Menschen weltweit.
Michael Sommer kämpft für gute würdevolle Arbeit, gegen prekäre Arbeitsverhältnisse und Arbeitslosigkeit. Mehr als 200 unserer Schülerinnen und Schüler sind zu dieser Veranstaltung aus der Reihe "Forum Emil-Possehl-Schule" eingeladen worden. Sie konnten einen freien Vortrag eines engagierten Gewerkschaftlers erleben, der anhand vieler Beispiele die Nöte der arbeitenden Menschen auf dieser Welt sehr eindringlich schilderte. Viele Menschen seien -vor allem in den Entwicklungsländern- völlig ungeschützt in sogenannten "informellen Arbeitsverhältnissen" beschäftigt. Sie würden behandelt wie "Dreck" und sogar in Deutschland sei dieser Trend inzwischen erkennbar, erläutert Sommer gegenüber einer äußerst nachdenklich gewordenen Schülerschaft.

Im Anschluss an seinen freien und anschaulich gestalteten Vortrag gibt es Gelegenheit für Fragen und Diskussionsstoff aus dem Publikum. Angesprochen auf die drohende Schließung der Lübecker Uni-Klinik kritisiert Sommer die "Sonntagsredenmentalität" unserer Politiker zur Bedeutung der Bildung in unserem Land:
Dreißig Millionen EURO müssten investiert werden, um uns mit skandinavischen Ländern zu vergleichen - tatsächlich seien es jedoch lediglich zwölf! Daher fordert Sommer mehr massiven Druck aus der Bevölkerung und wünscht sich an deren Seite eine Chefanklägerschaft der Gewerkschaften, um die existierenden Defizite zu ändern.

Angesprochen auf den demografischen Wandel seitens der jungen Zuhörer in Verbindung mit der Thematik "Rente ab 67" verweist Sommer auf die gegenwärtigen großen Probleme älterer Arbeitnehmer, die in den Firmen "rausgesetzt" würden und die gleichzeitige Situation der vielen Jungen in den Warteschleifen. Er kritisiert die fehlende Berufsausbildung von derzeit rund 17 % der 20 bis 30-jährigen bei gleichzeitigem tendenziellen Mangel an Fachkräften, der bereits in wenigen Jahren durch verfehlte Bildungspolitik zu erwarten sei.

Auch die Belastung derjenigen, die Arbeit hätten, sei in unglaublichem Maße in den letzten Jahren angestiegen: Die Menschen könnten demzufolge eigentlich gar nicht mehr so lange arbeiten. Die gesamte Arbeitsintensität und -produktivität hätte sich in den letzten Jahren nahezu verdoppelt durch modernere Maschinen, deren Bedienung jedoch immer schwieriger geworden sei. Daher könnten die Arbeitnehmer in der industriellen Produktion viel mehr erwirtschaften als früher - die jedoch für sie negativen Folgen daraus kenne man derzeit noch gar nicht. Erwartet würden vermehrte psychische Erkrankungen und Augenleiden durch Bildschirmarbeit. Die demografischen Probleme als Folgen für den Arbeitsmarkt seien nur zu lösen, wenn man verstärkt auf Humanisierung achte, damit ältere Menschen auch im Prozess verbleiben könnten und dabei gleichzeitig den Jungen helfen.
Ohne Arbeit könne man keinen Wohlstand schaffen auf dieser Welt - daher müsste man den arbeitenden Menschen verloren gegangene Würde zurückgeben, fordert der engagierte Gewerkschaftler Sommer.


















Moderation: Julia Salenz; Text: Dagmar Ströder; Photos: Rolf Bentkamp


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