Kaak

Die meisten Besucher Lübecks stehen ratlos vor dem Bauwerk auf dem Markt und fragen sich ob es ein altes oder ein neues Gebäude ist. Die Betonsäulen weisen in unsere Zeit, aber der Oberbau wirkt, als stamme er aus dem Mittelalter. Und was soll es darstellen? Die Antwort: Es handelt sich um den Kaak. Er wurde im 15. Jahrhundert erbaut und diente als Pranger für Händler, die auf dem Markt ihre Kunden betrogen hatten. Wer zum Beispiel ranzige Butter verkaufen wollte, dem wurde hier die Butter zum Schmelzen auf den Kopf gelegt. Später, als der Strafvollzug weniger unterhaltsam wurde, diente der Kaak als Lagerhaus, und im 20. Jahrhundert residierte hier ein Reisebüro. Den 2. Weltkrieg überstand der Bau unbeschadet - ihm wurde jedoch das ästhetische Empfinden der 50er Jahre zum Verhängnis. 1952 kam man zu dem Schluss, dass der Kaak nicht mehr gut genug aussah, also wurde er kurzerhand abgebrochen. Glücklicherweise konnte das Stadtbauamt wenigstens einen Teil der Steine retten, und als sich 1986 der Geschmack wieder zugunsten des Kaak verändert hatte, wurde er wieder aufgebaut. Über die Schönheit der Betonsäulen kann man sich natürlich streiten.