St. Marien zu Lübeck, auch Marienkirche genannt, ist wohl die beeindruckendste der Lübschen Kirchen. Sie wurde
in den Jahren 1.250 - 1.350 n Chr. im gotischen Stil errichtet. Dieser prächtige Sakralbau befindet sich im
ehemaligen Stadtbezirk der hanseatischen Händler in der Nachbarschaft des Marktes und des Rathauses. Mit 38.5
Meter (125 ft) weist die Marienkirche das höchste Backsteingewölbe der Welt auf. Eindrucksvoll sind auch ihre
sonstigen Ausmaße: Einschließlich der Wetterfahnen sind die beiden Türme der Kirche 124.95 Meter (406 ft) und
124.75 Meter (405.5 ft) hoch.
Zu Zeiten der Hanse diente St. Marien zu Lübeck als Vorbild für ca. 70 weitere Kirchen im baltischen
Raum, die man dem norddeutschen gotischen Stil nachempfand. St. Marien wurde von der hanseatischen
Kaufmannschaft in Auftrag gegeben; nach ihrer Fertigstellung wurde sie Symbol der Unabhängigkeit, der
Macht und des Wohlstandes der Königin der Hanse, wie Lübeck auch genannt wird. Bis heute ist die
Marienkirche Deutschlands drittgrößte Kirche und das größte Gebäude auf der historischen Lübecker Altstadtinsel.
Im Jahr 1.310 n Chr. wurde östlich vom Südturm die Briefkapelle an die Marienkirche angebaut, die
wahrscheinlich der Heiligen Anna gewidmet war. Den Namen "Briefkapelle" erhielt dieser Anbau erst
in der nachreformatorischen Zeit, weil dort Lohnschreiber wirkten. Der Eingang dieser Briefkapelle
liegt gegenüber dem Lübecker Marktplatz, dieser Anbau dient der Gemeinde heutzutage als Winterkirche
für die Gottesdienste allerdings nur in der Zeit von Januar bis März. Insgesamt zieren neun größere
Seitenkapellen die Seiten der Kirche, sowie zehn kleinere meist als Grabkapellen, die nach Lübecker
Ratsfamilien benannt, genutzt und gestiftet worden waren.
In der von Palmsonntagnacht vom 28. zum 29. März 1942 wurde St. Marien während eines Luftangriffes
beinahe vollständig von britischen Bomben zerstört. Wertvolles Inventar, wie die Darstellung des Lübecker
Totentanzs (französisch) "Danse Macabre" Bernt Notkes, die Gregorsmesse, Schnitzereien Lettners sowie der
Dreifaltigkeitsaltar Jacob van Utrechts sowie Friedrich Overbecks "Einzug Christi in Jerusalem", wurden
vom Feuer zerstört.
Die Hitze des Feuers legte die Originalgemälde der Marienkirche frei, die von verschiedenen
Restaurationsanstrichen bedeckt worden waren. 1947 wurde St. Marien wieder aufgebaut. Entsprechen
dem Stand der Technik wurde das Dach zum Schutz vor Feuer nicht wieder aus Holz, sondern aus
Leichtbetonelementen errichtet. Seit 1531gehört die Mariengemeinde der evangelischen Nordelbischen
Kirche an. Wie viele weitere Teile des historischen Lübecker Stadtkerns, wird die kulturelle Bedeutung
der Marienkirche durch die Aufnahme in das Weltkulturerbe durch die UNESCO unterstrichen.